Aus der Eröffnungsrede zur Ausstellung „DUOTON“
mit Susanne Kaiser und Heike Keller
Kunstbahnhof Dresden, 15. November 2006
„Heike Keller beschäftigt sich bevorzugt mit Zeichnungen auf Papier. Wie die ausgestellten Arbeiten zeigen, scheinen dabei dem Format keine Grenzen gesetzt zu sein. Der Filigranität des Bildträgers steht der oft kraftvolle Einsatz von Edding und Textmarker gegenüber. Auch die intensiven Farben, vorherrschend Rot, Pink, Schwarz und Nachtblau lassen hier und da den zarten Grund vergessen.
Vor den Augen des Betrachters entfalten sich Flächen, eingefangen von Konturen; Konturen, die sich ihren Weg bahnen und als einzelne Linien selbständig werden. – Und wieder ein Meer von Linien, die sich verdichten zu Schraffuren. – Schraffuren überlappen, unterwandern sich. Der Eindruck des Übereinander, des Geschichteten wird verstärkt durch die Technik des Collagierens. Die ursprünglich kräftigen Farben schimmern nunmehr sanft durch die feinen Papierlagen. – Aus den Tiefen erklingen die Farbtöne... Auch kommt es beim Kleben zu kleinen Faltungen – es entstehen reliefartige Strukturen, die Zeichnungen entwickeln plastischen Charakter.
Wenn Heike Keller zeichnet, läuft im Hintergrund Musik, derzeit hört sie gern Songs der Band KANTE. Die Stimmungen, in die sie dabei versetzt wird, fließen in ihre Werke mit ein. Doch auch das gesungene Wort findet hier und da fast unmerklich seinen Weg in die Zeichnung. Linien formieren sich zu Zeichen – manches Zeichen entpuppt sich als Buchstabe, Buchstaben bilden Worte. Auch hier die Begegnung mit dem Sprach-fragment.
Mir zeigt Heike Keller, wie spitze Formen, Zacken nach dem «Warum?» fragen, wie im Sandkasten des «Playground» durchaus ein Totenschädel verbuddelt sein könnte, dass an dem Ausdruck «Es regnet Strippen» etwas Wahres dran ist. Und sie öffnet mir die Augen für die Schönheit roter Dunkelheit.“
© Franka Häßner, Kunsthistorikerin, 2006
HEIKE KELLER