Zu den Arbeiten von Heike Keller
„Zeichnung ist Freiheitsraum, in dem sich die suchende Vorstellung bewegt und festlegt. „Sie ist der Freiheitsraum, in dem die Plastik die Grenzen ihrer Realisierbarkeit überschreitet und sich der Horizont der Utopie öffnet.“ (Manfred Schneckenburger, Grafische Sammlung Staatsgalerie Stuttgart, 1980). Die grafische und zeichnerische Arbeit Heike Kellers ist der Lebensraum ihrer zarten, aber entschlossenen, frei schweifenden Phantasie jenseits exekutiver Zwänge.
Ausgangspunkt sind ihre faszinierenden, spontanen, scheinbar flüchtigen Notationen, die in der Folge Eingang in Grafiken, großformatige Zeichnungen und in jüngerer Zeit auch in räumliche Installationen finden. Fast könnte man von einer Parallelisierung von Zeichnung und Plastik sprechen, in dem die Elemente der Zeichnung zum „plastischen“ Material werden. So verwendet Heike Keller Papiere nicht nur als Träger ihrer spielenden Phantasie, sondern nutzt pigmentierten Faserstoff (die Vorstufe eines formierten Blattes) für direkte räumliche Interventionen. So zum Beispiel in der Arbeit „Inzwischen“, die sie 2003 an der Akademie der Bildenden Künste München realisiert hat.
Die Transformation des Lebensraumes ihrer gezeichneten Notizen ist ein wichtiges Instrument im Orchester ihrer bildnerischen Virtuosität geworden und beschreibt ein wichtiges Momentum. Ohne an intimer Unmittelbarkeit einzubüßen, öffnet Heike Keller den Formatraum ihrer Zeichnungen zu einem Lebensraum für uns alle. Eine expressive Geste, die in ihrer Großzügigkeit ihresgleichen sucht.
Heike Keller teilt. Sie teilt den Freiheitsraum ihrer Zeichnungen, also ihren Lebensraum, ihr Leben, ihr Hoffen auf ihr Anrecht auf Glück, auf Gemeinschaft und Veränderung aller Nöte, sie teilt ihre Suche nach Befreiung im Kunstwerk. Es sind ihre zurückhaltenden linearen Vergewisserungen, ihre Gedankenstriche, ihre graphische humorgeladene Gestik, die schöpferische Fragilität ihrer raumbezogenen Besetzungen, die aus dem Suchen ein Finden machen.
Ein Fundus für Glück.
Ein Fundus für Freiheit.
Dank der Kunst Heike Kellers können wir daran teilhaben und darauf aufbauen.“
© Professor Andreas von Weizsäcker, 2004
(1956-2008)
HEIKE KELLER
